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Between conscience and food

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Between conscience and food

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Können wir stets mit gutem Gewissen unsere Speisen zu uns nehmen? Ist uns der Preis wichtiger als faire Verfahren, Produktion und Vertrieb? Oder achten wir als Verbraucher nur auf die Qualität? Natürlich kommt es auf den Geschmack an. Und Produzenten sind auch Verbraucher...

Heutzutage sind die Konsumenten weitgehend von der Produktion der Lebensmittel abgekoppelt. Selbst Hobbyköche, die auf dem Markt einkaufen, wissen nicht genau, was sie da erwerben. So entstehen Fragen nach den vorgelagerten Prozessen der Nahrungsherstellung. Skandale schüren die Angst vor unsauberen Methoden. Gleich die Entwarnung: In den westlichen Ländern sind die Kontrollen schärfer denn je. Die aufgedeckten Missstände sind lediglich ein Zeichen für die Funktionsfähigkeit der Überwachung. Früher wären diese vielleicht gar nicht publik geworden. Die Medien schenken diesem Thema zunehmend Aufmerksamkeit. So kann der Eindruck entstehen, dass die Probleme sich häufen.

Tatsache ist aber auch, dass Qualität ihren Preis hat. In Deutschland sind Lebensmittel besonders günstig. Wir geben im Schnitt nur ca. 14% unseres Einkommens für Nahrung aus. In Frankreich liegen sowohl die Kosten als auch die Bereitschaft, für Essen mehr auszugeben, deutlich höher. Diese deutsche Besonderheit führt dazu, dass selbst Produkte aus dem ökologischen Anbau zu Tiefstpreisen bei Discountern angeboten werden. Doch wo „Bio“ draufsteht, ist nicht immer „Bio“ drin. Und die Marktgesetze gelten auch für die Öko-Bauern, die sich mit Kampfpreisen behaupten müssen.

Fair gehandelte Lebensmittel, Eier aus Freilandhaltung, Milch von glücklichen Kühen: Auch wenn Zuwächse in diesem Segment zu verzeichnen sind, bleibt das gute Gewissen oft an der Kasse auf der Strecke. Stichwort Ethik: Die Bilder von misshandeltem Vieh, unwürdige Zustände bei Schlachthöfen – dies kann zur Vorverurteilung von ganzen Industriezweigen führen. Tatsache ist, dass sich hier in den letzten Jahren viel zum Positiven entwickelt hat. Kürzere Transportwege und humanere Schlachtungsmethoden soll der Traumatisierung der Tiere vorbeugen. Geflügel und Eier aus engen Käfigen bleiben zunehmend im Regal, allein schon weil die Qualität oft zu wünschen übrig lässt. Es bewegt sich also doch etwas.

Genauso verhält es sich bei optimierten Lebensmitteln: Der Verbraucher entscheidet, ob er artifizielle Produkte oder die wahre Ware haben will. Kunstkäse und Kunstwurst müssen allerdings sowohl vom Produzenten der Rohware als auch von den weiterverarbeitenden Betrieben klar deklariert werden. Optimal ist für den Hersteller etwas anderes als für den Konsumenten. Nur wenn mehrere Aspekte gleichermaßen Berücksichtigung finden, also Nahrungsqualität, Wohlgeschmack, Haltbarkeit, Verfügbarkeit und ökonomische Zwänge unter einen Hut gebracht werden, dann können das Vertrauen der Verbraucher und das Geschäft der Hersteller eine harmonische Beziehung eingehen.

Dieses komplexe Thema hat mittlerweile auch in die Wissenschaft Einzug gehalten: Auf einer quasi philosophischen Meta-Ebene beschäftigt sich der neue Studiengang Gastrosophie an der Universität Salzburg interdisziplinär mit der Kulturgeschichte des Essen sowie mit wirtschaftlichen, biochemischen und ethischen Fragen der Nahrungsaufnahme. So wollen die genussfreudigen Österreicher zu breiter akademischer Weisheit in Sachen Atz und Trank gelangen. Vielleicht können von der Erkenntnissen der Gastrosophen auch Gourmets und Gourmands außerhalb der Alpenrepublik profitieren.

Ralph Bloemer, InterMeat.de

 
 
 

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